Ihr religiöser und kultureller Mittelpunkt für Deutschland
Wer durch die Gassen der Lübecker Altstadt streift, fühlt sofort, dass dieser Ort mehr ist als eine Ansammlung mittelalterlicher Backsteinfassaden. Die von der Trave umflossene Insel enthält geistiges Kapital, das über Jahrhunderte gewachsen ist und heute im Future Forum on Culture einen zeitgemäßen Ausdruck gewinnt. Das Forum begreift sich nicht als Museum, sondern als lebendige Schnittstelle zwischen Glaubenstraditionen, künstlerischem Schaffen und gesellschaftlichem Diskurs. Es richtet sich an Suchende, Zweifelnde und Engagierte aus ganz Deutschland, die religiöse Tiefe und kulturelle Vielfalt nicht nur betrachten, sondern aktiv mitgestalten möchten. Während die Kirchenaustritte zunehmen und religiöse Identitäten diffuser werden, bietet dieser Knotenpunkt Orientierung ohne Dogmatik und Gemeinschaft ohne Vereinnahmung. Was das Haus konkret anbietet und warum es weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus Beachtung erlangt, lesen Sie hier.
Eine Stätte mit Historie: Die Altstadtinsel als Bühne
Das Future Forum ist nicht bloß ein zufällig gewählter Name, sondern Konzept. Lübeck war als Haupt der Hanse immer ein Zentrum von Waren, Ideen und Glaubensrichtungen. Die sieben Türme der Kirchen prägen bis heute die Silhouette und weisen daran, dass Handel und Spiritualität hier nie geschieden wurden. Das Forum nimmt dieses historische Fundament zurück und übersetzt es in eine dialogische Praxis, die Handelsgeist mit Kontemplation verbindet. Besucher erleben eine Stadt, deren Pflaster selbst als Resonanzboden für kulturelle und religiöse Fragen fungiert. Wer sich auf diesen Resonanzraum einläßt, trifft nicht nur steinernen Zeugen der Vergangenheit, sondern einer vitalen Infrastruktur, die das geistige Erbe für heutige Debatten verwertbar macht. Diese Kontextualisierung ist ein Besonderheit, das urbane Denkmäler aus ihrer rein touristischen Vermarktung befreit und ihnen eine aktive gesellschaftliche Funktion zurückgibt.
Entscheidend ist die bewusste Entscheidung, keine isolierte Tagungsstätte am Stadtrand zu bauen. Stattdessen sind die Aktivitäten des Forums über mehrere historische Gebäude der Innenstadt gestreut, was eine physische Auseinandersetzung mit dem kulturellen Gedächtnis der Stadt erzwingt. Ein Symposium zur mittelalterlichen Mystik findet eben nicht in einem neutralen Konferenzraum statt, sondern im Kapitelsaal eines ehemaligen Stifts. Dieses Prinzip der Ortsgebundenheit produziert eine Authentizität, die kein noch so durchdachtes Bildungskonzept nachahmen könnte. Wer an einer Veranstaltung partizipiert, durchschreitet automatisch die Altstadtgassen, nimmt die Gerüche und das Licht der Ostsee auf und wird so bereits vor Beginn der eigentlichen Sitzung in eine aufnahmefähige Stimmung geführt. Diese untrennbare Verbindung von Ort und Inhalt gestaltet den Knotenpunkt zu einem einzigartigen geistigen Labor in Deutschland.
Kulturtransfer auf alternativen Wegen: Workshops und Debatten
Das Forum begreift kulturelle Bildung als einen gestalterischen Prozess, der nicht durch passive Rezeption, sondern durch aktives Tun gelingt. Deshalb nehmen praktische Workshops einen breiten Raum ein. In der Kalligrafie-Werkstatt etwa erfahren Teilnehmende nicht nur arabische, hebräische und lateinische Schriftzeichen, sondern setzen sich ganz nebenbei mit der kulturhistorischen Bedeutung von Schriftreligionen. Ein anderer Kurs vermittelt die Kunst des Ikonenschreibens mit zeitgenössischen Materialien und eröffnet so einen Zugang zur orthodoxen Spiritualität, der von kunsthistorischen Erklärungen allein nie geleistet würde. Solche Angebote sprechen an gezielt jene, die intellektuelle Zugänge zu religiösen Themen suchen, aber oft an einer vermeintlich elitären Fachsprache scheitern. Das haptische Erleben senkt die Hemmschwelle und verankert das Erlernte tiefer als jeder Vortrag.
Zukunftswerkstätten für junge Erwachsene
Ein besonderes Schwerpunkt liegt auf der Tätigkeit mit jungen Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren, die in herkömmlichen Gemeindestrukturen schwerlich zu erreichen sind. In mehrtägigen Zukunftswerkstätten entwickeln die Teilnehmenden eigene Projekte an der Nahtstelle von Spiritualität und gesellschaftlichem Engagement. Ob ein interreligiöser Gemeinschaftsgarten, eine Podcast-Reihe zu ethischen Dilemmata oder ein mobiles Atelier für Trauernde – das Forum bereitstellt ein Startbudget und Coaching an. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Generation nicht religionslos ist, sondern religiöse Fragen nur anders formuliert und in zwangloseren Kontexten verhandelt. Das Forum stellt dafür eine Plattform, die ohne Vereinnahmung noch pädagogisch bevormundet, sondern ergebnisoffen unterstützt. Aus diesen Werkstätten sind bereits jetzt dauerhafte Initiativen hervorgegangen, die mittlerweile eigenständig im norddeutschen Raum arbeiten und das Netzwerk des Knotenpunkts kontinuierlich erweitern.
Diskussionsreihe „Glaube und Gesellschaft“
Alle drei Monate lädt das Forum zu einer namhaften Podiumsdiskussion ein, die derzeitige gesellschaftliche Konflikte aus religiöser und ethischer Perspektive beleuchtet. Die Themen erstrecken sich von medizinethischen Fragen wie Sterbehilfe bis hin zur Verantwortung von Religionsgemeinschaften im Klimaschutz. Entscheidend ist die Zusammensetzung des Podiums, die bewusst auf anerkannte Fachleute setzt, aber auch Leidtragende zu Wort kommen lässt. Eine Diskussion zur Seelsorge in Justizvollzugsanstalten etwa profitiert durch den Bericht eines ehemaligen Inhaftierten eine Dimension, die kein noch so belesener Theologe allein liefern könnte. Die Veranstaltungen werden als Podcast dokumentiert und erreichen so ein landesweites Publikum. Die Kommentarspalten der Aufzeichnungen belegen, dass das Forum mit dieser Mischung aus wissenschaftlicher Expertise und existenzieller Betroffenheit ein Format entwickelt hat, das die oft beklagte Kluft zwischen akademischer Theologie und gelebter Religiosität überbrückt.
Die Kirchenbauten Lübecks: Über steinernen Zeugen
Lübecks Kirchen sind keine reinen Fassaden, sondern engagierte Partner des Forums. St. Marien mit seiner Backsteingotik, der romanische Dom oder die schlichte Klarheit der Petrikirche bieten unterschiedliche Raumcharaktere, die das Programm bewusst nutzt. Ein Veranstaltungszyklus über Lichtsymbolik in den Religionen wirkt unter den Sterngewölben von St. Marien völlig anders als in einem neutralen Schulungsraum. Das Forum nutzt dieses architektonische Kapital, indem es Führungen anbietet, die Aspekte der Theologie, Kunstgeschichte und Stadtentwicklung zusammenführen. Besucher verstehen dadurch nicht nur, warum eine Kirche gebaut wurde, sondern auch, welche gesellschaftliche Ordnung sich in ihrer Raumaufteilung spiegelt. Diese Art der Wissensvermittlung reicht über traditionelle Kirchenpädagogik hinaus, weil sie die Gebäude als lebendige, sich ständig verändernde Bedeutungsträger interpretiert und nicht als abgeschlossene Kunstwerke einer vergangenen Epoche behandelt.
In der Praxis bedeutet dies für Besucher, dass sie während einer Abendveranstaltung im Dom nicht nur einen Vortrag verfolgen, sondern durch eine speziell choreografierte Lichtinstallation und kurze musikalische Interventionen in einen Dialog mit dem Raum treten. Solche Formate sprechen auch Menschen an, die mit kirchlichen Ritualen wenig anfangen können, aber eine künstlerische oder sinnsuchende Haltung einbringen. Das Forum schult zudem Helfer als „Raumbegleiter“, die bei festen Besuchszeiten in den Kirchen bereitstehen und Fragen gerne beantworten, ohne missionarisch tätig zu werden. Dieses niedrigschwellige Angebot hat in den letzten Jahren zu einer deutlichen Steigerung der Alleinreisenden geführt, die angaben, eine Kirche zunächst nur wegen des Tourismus aufgesucht zu haben, dann aber mit nachdenklichen Eindrücken wieder verlassen zu haben. Das Wechselspiel zwischen Architektur und Veranstaltung erzeugt eine Dynamik, die rein kognitive Formate nicht leisten können.
Feierlichkeiten im Jahreskreis: Traditionen miteinander erleben
Das Kirchenjahr und die Festkalender anderer Religionen stellen ein rhythmisches Gerüst, das dem Programm eine verlässliche Struktur verleiht. Anders als in Gemeinden, die mit schwindenden Ressourcen kämpfen, kann das Forum aufwendige Feiern inszenieren, die mehrere Traditionen in eine gemeinsame Dramaturgie einbinden. Höhepunkt ist das mehrtägige Lichterfest im November, das beginnend mit dem Martinstag Elemente des christlichen Laternenlaufs, des hinduistischen Diwali und des jüdischen Lichterfestes Chanukka aufgreift. Jede Gemeinschaft steuert eine typische Lichtsymbolik bei, und am letzten Abend zieht ein schweigender Fackelzug durch die Altstadt, der an der Trave endet, wo alle ihre Lichter gemeinsam auf dem Wasser aussetzen. Solche Formate erzeugen eine emotionale Dichte, die intellektuelle Dialogformate nicht herstellen können, und bleiben den Teilnehmenden oft über Jahre im Gedächtnis. Sie sind zugleich ein leicht zugängliches Angebot für Familien, die nach sinnvollen Ritualen suchen, ohne sich an eine Institution binden zu müssen.
Praktizierte Ökumene: Der religionsübergreifende Auftrag des Forums
Der Begriff „religiöser Knotenpunkt“ stellte leeres Marketing dar, würde er sich nur auf christliche Konfessionen beziehen. Das Future Forum versteht Religiosität breit und bezieht jüdische, muslimische, buddhistische und weitere Stimmen beständig ein. Basis ist ein Kuratorium, worin Vertreter verschiedener Gemeinschaften gleichgestellt über das Programm abstimmen. Diese strukturelle Absicherung vermeidet, dass interreligiöser Dialog zu einer folkloristischen Begegnung verkommt, sondern gewährleistet eine echte Teilhabe an Ressourcen und Entscheidungen. Praktisch bedeutet dies, dass nicht die Adventszeit oder das muslimische Fastenbrechen das Programm bestimmen, sondern dass ein ausbalancierter Rhythmus über das ganze Jahr verteilt alle Perspektiven zur Geltung kommen lässt. Gäste schätzen, dass sie hier keine vorgefertigten Antworten erhalten, sondern in kontrollierten Settings ihre eigenen Fragen schärfen können.
Die Abrahamitischen Gespräche
Ein etabliertes Format ist die allmonatliche Reihe „Abrahamitische Gespräche“, bei der eine jüdische, eine christliche und eine muslimische Stimme einen identischen Text aus ihren jeweiligen Traditionen kommentieren. Dabei geht es nicht um eine Vereinnahmung oder harmonistische Angleichung, sondern um das exakte Herausarbeiten von Differenzen und unerwarteten Gemeinsamkeiten. Die Texte werden vorab verschickt, sodass die Teilnehmenden eingestimmt in den Abend gehen. Die Gespräche finden reihum in der Synagoge, einer Kirche und der Moschee statt, was darüber hinaus das gegenseitige Kennenlernen der Räume fördert. Diese Rotation ist mehr als ein symbolischer Akt; sie verhindert, dass sich eine Gastgeber-Mentalität einschleicht, und macht alle Beteiligten gleichermaßen zu Gästen und Gastgebern. Aus dieser Reihe sind bereits mehrere Publikationen hervorgegangen, die als Unterrichtsmaterial für den Religionsunterricht in ganz Deutschland dienen.
Stille Meditation und Stille
Neben dem Wortdialog pflegt das Forum den Dialog jenseits der Sprache. In einem ehemaligen Kaufmannshaus wurde ein meditativer Raum eingerichtet, der absichtlich ohne dominante religiöse Symbolik auskommt und allen Menschen offensteht. Zweimal täglich finden dort geleitete Sitzeinheiten statt, die von qualifizierten Meditationsleitern unterschiedlicher Traditionen angeboten werden. Ob Zen-Meditation, christliches Herzensgebet oder achtsames Atmen – die Praktiken wechseln, die Tiefgang der Stille bleibt. Teilnehmer berichten, dass dieser bedingungslose Zugang ihnen einen ersten Weg zu spiritueller Praxis eröffnet hat, den sie im konfessionell gebundenen Rahmen nie gesucht hätten. Der Raum wird zudem regelmäßig für Schweigeseminare am Wochenende genutzt, die eine geschätzte Unterbrechung des digitalen Alltags darstellen und Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet nach Lübeck führen.
Bürgerschaftliches Engagement und Teilhabe: Das Forum als Gemeinschaftsprojekt
Ein Knotenpunkt lebt von den Menschen, die ihn aufbauen. Das Future Forum ist nicht möglich ohne die über hundertachtzig eingetragenen Ehrenamtlichen, die den Betrieb in zahlreicher Weise unterstützen. Ihre Motivation ist erstaunlich vielfältig: Einige sind pensionierte Pastoren, die ihr Glaubenswissen teilen wollen, andere sind Studenten, die ein Praxisfeld für ihr Studienfach suchen, und wieder andere sind Quereinsteiger, die nach einer persönlichen Lebenskrise einen Ort der Neuorientierung gefunden haben. Was sie verbindet, ist die Bereitschaft, Verantwortung zu tragen, ohne ein vorgefertigtes Rollenbild ausfüllen zu müssen. Das Forum stellt bereit deshalb keine standardisierten Ehrenamtslehrgänge an, sondern baut auf individuelle Begleitung und das Prinzip der Gabenorientierung. Ein ehemaliger Bankkaufmann verantwortet heute die Finanzbuchhaltung eines Drittmittelprojekts, eine gelernte Schneiderin hat eine Nähwerkstatt für liturgische Gewänder gegründet, und ein Informatiker betreut die digitalen Archive.
Die konkreten Mitwirkungsfelder sind so vielfältig wie die Begabungen der Helfer:
- Empfangsbereich und Betreuung der Gäste an den offenen Nachmittagen in den Kirchen, mit Kurzführungen ohne Anmeldung.
- Mitwirkung in der digitalen Redaktion: Transkribieren historischer Predigten, Aufnehmen von Audioguides, Pflege der mehrsprachigen Website.
- Planerische Unterstützung bei den halbjährlichen interreligiösen Festen, vom Errichten der Stände bis zur Betreuung von Kinderprogrammen.
- Technikteam: Betreuung der Übertragungstechnik für hybride Veranstaltungen, die gerade für abgelegene Regionen Deutschlands den Zugang zum Programm erst ermöglicht.
- Archiv- und Bibliotheksdienst: Erfassung der wachsenden Sammlung von Primärquellen zur norddeutschen Kirchen- und Religionsgeschichte.
Musik als gemeinsame Sprache des Glaubens
Musik ist im Future Forum kein schmückendes Beiwerk, sondern wesentlicher Pfeiler des Programms. Das Spektrum erstreckt sich von der Pflege des Lübecker Orgelrepertoires über zeitgenössische Kompositionen bis hin zu sufischen Gesängen und jüdischer Kantillationskunst. Ein besonderer Schwerpunkt konzentriert sich auf der Wiederbelebung von Werken, die im Dreißigjährigen Krieg oder in der Zeit des Nationalsozialismus aus den Kirchenarchiven entfernt wurden. Hier arbeitet das Forum mit Musikwissenschaftlern der Musikhochschule Lübeck zusammen, was zu mehreren gefeierten Wiederaufführungen resultierte. Diese historische Tiefenbohrung wird ergänzt durch Begegnungskonzerten, bei denen drei Chöre unterschiedlicher Glaubensrichtungen ein gemeinsames Programm einstudieren. Der Probenprozess ist dabei ebenso wichtig wie die Aufführung, weil er die Sängerinnen und Sänger dazu bringt, sich auf fremde Klangideale und Textverständnisse zu öffnen, was weit mehr bewirkt als viele Gesprächskreise.
Praktisch manifestiert sich die Offenheit in den monatlichen Mitsing-Abenden, die ohne Notenkenntnisse und Anmeldung besucht werden können https://kulturtreibhaus.org/. Ein Kantor präsentiert kurz ein Stück, dann singt die Versammlung einen vierstimmigen Satz, mal aus dem evangelischen Gesangbuch, mal einen hebräischen Psalm, mal ein buddhistisches Mantra. Die Regel besagt: Jeder so gut er kann, und Fehler sind ausdrücklich gestattet. Diese radikale Einstiegsschwelle hat ein Publikum erreicht, das sich selbst nie als musikalisch bezeichnet hätte, und ist für viele die erste Begegnung mit geistlichem Liedgut schlechthin. Die Anwesenheitszahlen zeigen, dass niederschwellige Musikangebote eine Brücke schlagen, die dogmatische Sprachregelungen längst nicht mehr erreichen.
Wissenstransfer: Bibliothek und Archiv des Forums
Ein vielfach unbeachteter, aber wesentlicher Baustein ist die wissenschaftliche Infrastruktur, die das Forum allmählich aufbaut. Die Präsenzbibliothek umfasst inzwischen zahlreiche Bände zur norddeutschen Kirchen- und Kulturgeschichte, darunter seltene Erbauungsschriften des 17. Jahrhunderts, die digitalisiert und offen einsehbar gemacht werden. Dieses Angebot richtet sich nicht nur an akademische Forschende, sondern ausdrücklich an Laien, die zum Beispiel eine Familienchronik um religionsgeschichtliche Aspekte erweitern möchten. Ein halbjährlicher Kurs zur Quellenkunde übermittelt grundlegende paläografische Fähigkeiten, sodass Interessierte lernen, alte Kirchenbücher selbständig zu lesen und zu interpretieren. Damit erfüllt das Forum eine archivpädagogische Funktion, die in der deutschen Bildungslandschaft rar geworden ist und das kulturelle Erbe vor der Vergessenheit schützt. Die Bibliothek begreift sich zudem als Gastgeberin für Wanderausstellungen, die von hier aus an andere Standorte in Deutschland weitergegeben werden und so den Radius des Knotenpunkts stetig vergrößern.
Über Lübeck hinausgehend: Ein Beispiel für das ganze Land
Die Frage, ob das Lübecker Modell auf andere Städte anwendbar, wird im Forum selbst wiederkehrend diskutiert. Die Antwort ist nuanciert. Zwar sind die konkreten Bedingungen – eine kompakte Altstadt, sieben Kirchen, eine starke jüdische und muslimische Gemeinde – nicht eins zu eins übertragbar. Übertragbar hingegen ist das Konzept, religiöse und kulturelle Bildung systematisch an bestehende urbane Ensembles zu verknüpfen und alle relevanten Gemeinschaften von Anfang an in die Programmplanung zu integrieren. Mehrere Städte in Nordrhein-Westfalen und Hessen haben bereits Abordnungen nach Lübeck geschickt, um die Struktur zu untersuchen. Das Forum bietet dafür strukturierte Hospitationstage an, die mit einer öffentlichen Abendveranstaltung ausklingen, bei der die Gäste ihre eigenen Erkenntnisse aus anderen Kommunen teilen. So entsteht ein bundesweites Netzwerk, das nicht auf zentrale Anordnungen setzt, sondern auf den Austausch bewährter Praxis unter jeweils spezifischen lokalen Voraussetzungen.
Wer den religiösen und kulturellen Treffpunkt in Lübeck besucht, verlässt die Stadt in der Regel mit einem sensibilisierten Blick für die eigenen Themen und mit dem Bewusstsein um tragfähige, erprobte Modelle des Zusammenlebens in Vielfalt. Das Future Forum on Culture belegt, dass religiöse Tradition und kulturelle Neugier sich nicht ausschließen, sondern in einer durchdachten Umgebung gegenseitig befruchten. Der nächste Schritt für Interessenten aus ganz Deutschland ist einfach: Die Programmübersicht auf der Website gibt einen aktuellen Überblick über offene Veranstaltungen, für die in der Regel keine Mitgliedschaft erforderlich ist. Wer tiefer eintauchen will, findet dort auch die Ausschreibungen für die nächsten Zukunftswerkstätten und Hospitationsprogramme. Die Türen dieses Knotenpunkts stehen weit offen – nicht als abgeschlossener Spezialistenkreis, sondern als offener Raum, der von den Fragen und Beiträgen seiner Gäste lebt.
